Gartenthemen

Der Hexengarten

vorgestellt von
Christine Langbehn

Manchmal ist es für mich als Landschaftsarchitektin, die doch viel am Schreibtisch arbeitet, besonders schön einen Garten eigenständig von Hand umzugestalten. So geschehen beim "Hexengarten". Der verwilderte Garten einer Eigentümergemeinschaft liegt im Walpurgistal in einem Stadtteil von Essen. Das Thema für die Gartengestaltung lag demzufolge auf der Hand, zumal Katzen umherstromern und das Krächzen großer, schwarzer Vögel dem Namen des versteckten Tales alle Ehre machen.

Im Gegensatz zu der traditionellen Architektenhaltung "Das machen wir jetzt alles ganz neu!" übte ich mich gemäß dem Wunsch der Kunden in Zurückhaltung und begann mit ganz gewöhnlichen Pflegemaßnahmen: Unkraut rupfen, Rasen mähen und fegen, wobei ich mich mit dem Garten intensiv vertraut machte. Und es tat mir jedes Mal leid, die wilde Romantik zerstört zu haben. Gepflegt sah der Garten richtig langweilig aus. So wuchs in mir der Wunsch, Möglichkeiten zu finden, einen Garten wild, ja ein bisschen unheimlich aussehen zu lassen, ihn gleichzeitig zu pflegen und sensibel umzugestalten. Bei größeren Veränderungen wirkten die BewohnerInnen des Hauses selber mit.

Eine Mischung typischer "Hexenfarben": weinrot und schwarz (Stiefmütterchen), Lila in verschiedenen Nuancen (Astern, Hornveilchen) und grelles Pink (Zierkohl). Die Mischung mit Nutzpflanzen, hier mit dem extravaganten Zierkohl, macht das Staudenbeet interessant. Ideal zum Überwuchern offener Beetflächen, ohne anderen Stauden ernsthaft Konkurrenz zu machen, ist das Leinkraut (Linaria cymbalaria).

Auch hier wachsen Zier- und Nutzpflanzen wild durcheinander. Die beiden großen Blattrosetten der Königskerze (Verbascum olympicum) überragen die strenge Betonkante des Beetes. Die silbergrauen, flauschigen Blätter des Hasenohr (Stachys byzantina) harmonieren sehr gut mit dem dunklen Salbei (Salvia officinalis‚ Purpurascens'). Wo sie zu üppig wuchern, werden sie zurückgeschnitten.

Die dunkelrote Blutberberitze (Berberis thunbergii ‚Atropurpurea') bereichert das Beet durch ihre Laubfarbe und bringt die Staudenblüten zum Leuchten: hier das Mädchenauge (Coreopsis verticillata ‚Grandiflora'). Im Vordergrund wieder der Salbei, dessen Blätter aromatisch duften.

Nirgendwo erblickt man eine Hexe, aber überall deuten Details auf ihre Anwesenheit hin: schwarze Federn, gebundener Birkenreisig, magische Steine im Kies und seltsame Objekte wie der verwandelte Fruchtstand eines Zierlauchs mit schwarzem Schmetterling.

Der Entwurf für einen Hexenzaun veranschaulicht das behutsame Gestalten in Einklang mit der Vegetation vor Ort. Vorhandene Situationen werden ganz allmählich durch vor Ort vorgefundene Materialien (z.B. Totholz, Federn) ergänzt und mit wenig Zutaten (Draht, Perlen, Stofffetzen, Pflanzen) zu einem natürlichen Kunstwerk verflochten.

Literaturhinweis:
Susanne Schidtsberger

Hexen Garten
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